Wie komme ich durch den TÜV?

„Zwei Jahre lang gehörten die Straßen uns. Rücksichtslos bretterten wir über den Asphalt. Setzten Tag für Tag unseren ungebremsten Höhenflug fort. Das Gefühl von Freiheit; Komfort und Fahrspaß sollte niemals enden. Im Scheinwerferlicht zogen wir um die Häuser und nahmen auch die ein oder andere unvermeidliche Schramme in Kauf.
Doch eines Morgens kam das Erwachen…!“

Tüv Plakette

TÜV (c) Gerd Altmann / pixelio

Die TÜV Prüfung steht vor der Tür

Es tut den jungen Fahranfängern jedes Mal in der Seele weh, wenn es zum ersten Mal heißt: Die Weiterfahrt ist untersagt! TÜV-Kontrolle!“
Im Namen der allgemeinen Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes bleibt jedoch niemand davor gefeit.
Alle 2 Jahre müssen sich Kfz-Halter der Hauptuntersuchung ( §29 StVZO) und der Abgasuntersuchung (§47 a StVZO) unterziehen.
Da spielt es keine Rolle, dass die jährlich vom TÜV herausgegebenen Listen über die am häufigsten beanstandeten Automodelle besagen, dass der Mix aus älteren Gebrauchtwagen mit hohen Kilometerlaufleistungen und Fahranfängern mit fehlender Fahrpraxis die größte Gefährdung der Verkehrssicherheit darstellt.

Volle Fahrt voraus auch ohne Plakette?

Das Knirschen, dass Sie gerade hören, könnte also beides sein: Die Angst des Fahranfängers die begehrte Plakette nicht zu erhalten oder das schrottreife Bauteil seines Fahrzeugs. Auf die dumme Idee zu kommen deshalb das Fahrzeug zum Untersuchungstermin einfach nicht beim TÜV vorzufahren, sollte er aber nicht kommen.
Denn erstens wird seit 2012 die Plakette nicht mehr rückdatiert, wenn man erst nach Ablauf des Termins zur Untersuchung erscheint.
Und zweitens wird nach mehr als zwei Monaten ein Bußgeld fällig.
Im schlimmsten Fall vollstreckt dies die Polizei im Rahmen einer Verkehrskontrolle/eines Unfalls.
Diese weist dann auch nochmals ausdrücklich darauf hin, das Fahrzeug nun beim TÜV vorzufahren.
Andernfalls droht die Stilllegung des Fahrzeugs. Die 20% Aufschlag auf die detaillierte Prüfung des TÜVs muss man dann eben in Kauf nehmen.
Von den Ansprüchen der Versicherung bei einem Unfall mit abgelaufener Plakette ganz zu schweigen.

Die Hauptuntersuchung

Sorge haben, dass der TÜV das Auto auseinandernimmt, muss man sowieso nicht. Das Abmontieren von Karosserieteilen ist gesetzlich gar nicht vorgesehen.
Bei der Hauptuntersuchung prüft der TÜV lediglich folgende Bereiche auf ihre Einstellung und Funktionsweise:

• Die Sicherheitsausstattung: Dazu gehören der Sicherheitsgurt, Hupe; Airbag; Wegfahrsperre; Lenkrad und Bremsen (seit 2012 im Rahmen einer Probefahrt)

• Die Achsen: Räder; Reifen; Fahrgestell

• Die Sichtverhältnisse : Einstellungen und Funktion von Scheinwerfern; Blinkern; Rücklicht usw. sowie Spiegeleinstellungen

• Hydraulische Flüssigkeiten: Öl; Kühlwasser usw.

Beim Bestehen der Hauptuntersuchung wird zur äußeren Demonstration der Verkehrssicherheit des Fahrzeugs eine bunte Plakette erteilt. Sie ist jedes Jahr in anderen Farben erhältlich und gilt als Urkunde (das Nachmachen einer Plakette gilt als Urkundenfälschung)

Die Abgasuntersuchung

Für die Abgasuntersuchung gibt es mittlerweile keine eigene Plakette mehr. Seit 2010 ist die Abgasuntersuchung Bestandteil der Hauptuntersuchung.
Nach folgendem Verfahren werden dabei die Abgasgrenzwerte nach den Vorschriften der StVZO bzw. der EU Norm ermittelt:

• Als erstes gibt der Prüfer die Fahrzeugkenndaten in den PC ein

• Dann erfolgt eine Sichtprüfung

• Die Messgeräte werden anschließend angeschlossen und eine Abgassonde in den Auspuff eingeführt

• Nach de Einschalten des Absaugtrichters und der Absauganlage erfolgt die Messung

• Nach Beenden der Messung werden die Geräte wieder abgeklemmt und die Prüfbescheinigung erteilt


Der TÜV macht nur seinen Job

Wie man es auch drehen und wenden mag. Am TÜV kommt keiner vorbei, der auf lange Sicht auf deutschen Straßen herumfahren möchte.
Die Ausrede, der TÜV hätte sich auch noch auf andere, wichtigere Aufgaben zu konzentrieren, zieht dabei nicht.
Denn mit seinen 5 bundesweit tätigen Organisationen (TÜV Süd; TÜV Nord; TÜV Rheinland; TÜV Thüringen und TÜV Saarland) hat er genügend Spielraum, um neben dem Automobilbereich sich auch noch um die Zertifizierung von Produkten und Managementsystemen zu kümmern.
Angefangen hat er eh 1871 als Dampfkesselüberwachungsverein.
Als die Industrialisierung noch in den Kinderschuhen steckte und Dampfkesselexplosionen zur Tagesordnung gehörte, wurde aus der Not der erste technische Überwachungsverein gegründet.
Ca. 30 Jahre später kümmerte sich der Dampfkesselüberwachungsverein erstmals dann auch um Fahrzeugstests und Führerscheinprüfungen.

Autozubehör auf dem Prüfstand

Im Vergleich zu damals ist das Portfolio des TÜV weiter gewachsen.
Denn das Aufrüsten der Fahrzeuge (Tuning) spielt heutzutage eine immer wesentlichere Rolle.
Ob Motortuning, Leichtmetallfelgen für die Riefen oder sonstiges (optisches) Autozubehör.
Bevor das baulich veränderte Auto an den Start gehen kann, muss vom TÜV geprüft werden, ob es weiterhin den allgemeinen Verkehrsvorschriften genügt und inwieweit sich das Abgas- und Geräuschverhalten zum Negativen verändern kann.
Beim Vorfahren sollten neben Fahrzeugbrief und Fahrzeugschein daher auch unbedingt die Papiere zu den Änderungsteilen mitgebracht werden.

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